Sonnenuntergang die Befreiung meines Darms

Die Befreiung meines Darms

Ein Geschichte über das Leben mit und ohne Gluten, über die Erkenntnis und den Schock bishin zum neuen Körpergefühl!

So hat alles angefangen…meine Erinnerungen: 2013. 21:00 Uhr. Wir waren beim Pastaladen. Sein Lieblingsitaliener. Natürlich gab es Pasta Arrabbiata. Auf dem Heimweg fällt mir wieder einmal auf wie prall sein Bauch wirkt. Er greift meine Hand und ich betrachte heimlich seine Daumen. Die gehen mir seit Tagen nicht aus dem Kopf. Meine Oma hat immer gesagt, dass der Nagel dir zeigt, ob du einen Mangel hast. Also frag ich Doktor Google (sollte man lieber nicht tun, aber ich kann manchmal nicht anders). Angeblich steht der Daumennagel für den Darm. So richtig glauben kann ich das nicht. Wahrscheinlicher ist, dass er sich als Kind zu oft draufgehauen hat… auf beide… parallel…und mit gleicher Intensität…

Ab da an konnte ich nicht anders, als herauszufinden was mit Ralf nicht stimmt. Und wir haben die Lösung gefunden. Die Umstellung auf ein glutenfreies Leben ist nicht gerade einfach, aber es ist befreiend zu sehen, wenn ein Mensch den man liebt heilt.

Das Interview mit Ralf zeigt dir, dass

du nicht alleine bist!

Bleib stark! Du wirst es schaffen!

Hier also das Interview mit Ralf über sein Leben mit und ohne Gluten, über die Erkenntnis und den Schock bis hin zum neuen Körpergefühl!

Ich lese und höre oft von Zöliakiebetroffenen, Glutensensitiven und Allergiker jeglicher Art, dass die Erkenntnis das Beste war, was ihnen hätte passieren können.
War es für dich das Beste was dir passieren konnte, als du erfahren hast, dass du kein Gluten mehr es
sen darfst?

„Und man musste viele Schmerzen ertragen. Und dann…. Peng….“

Eigentlich war es nicht das Beste. Letzen Endes ist es immer noch eine Krankheit. Irgendwas ist mit dem Körper nicht richtig und man beginnt zu verstehen, dass etwas den Körper krank gemacht hat.
Und man musste viele Schmerzen ertragen. Und dann…. Peng….
Das Ganze zu beheben, das war wie eine Art Befreiung.Ralf Schweiz begluno

Ich durfte feststellen, dass das Leben nicht nur aus zwei Gängen, sondern aus fünf besteht.

Was war richtig schwierig für dich?

Einkaufen gehen… Nicht zu wissen was man essen darf… Informationen ranholen… Anfängliches Vertrauen in Apps oder Literatur, mit der Feststellung, dass man vieles selbst herausfinden muss. Bei Freunden essen gehen oder zuzusehen, was sie für leckere Dinge es
sen… Nein zu sagen, auch wenn einem Sachen angeboten werden. Der Umfang der
Einschränkungen kann ein anfänglich erdrücken.

Bist du schwach geworden am Anfang? Hast du dir Fehler „erlaubt“?

Die Fehler sind von alleine gekommen. Unvermeidbare Fehler, weil man es nicht besser wusste. Natürlich tut sich auch das Umfeld sehr schwer. Manchmal war ich mir nicht sicher, ob sich Gluten in dem selbstgemachten Essen der Familie befindet. Und dann probiert man einfach. Den Fehler macht man nur einmal!

Würdest du heute noch etwas „Unsicheres“ probieren?

„Ich habe es als eine tolle Erinnerung abgespeichert.“

Die Wahrscheinlichkeit ist nicht mehr so groß. Ich weiß mittlerweile worauf man achten sollte.
Klar man will weiter entdecken. Aber seit der Umstellung tue ich das eh noch viel intensiver. Man betrachtet das Essen ganz anders. Vor der glutenfreien Ernährungsumstellung habe ich gerne im Urlaub einheimisches Essen probiert. Aber ich hatte auch ein sehr einseitiges Essverhalten. Es gab immer: Brötchen, viele Croissants, Bier, Hefe Weizen und viel Pasta bei meinem Lieblingsitaliener. Und jetzt kann ich das alles nicht mehr essen.
Dadurch beginnt man sich mit dem Essen auseinander zusetzen…
Den Geschmack von einem kühlen frischen Bier werde ich nie vergessen. Er ist als tolle Erinnerung abgespeichert. Klar gibt es auch glutenfreies Bier, aber ich denke, dass ist nicht das Gleiche. Kann es ja auch gar nicht sein. Dafür brauche ich keinen Ersatz. Jetzt trinke ich eben Wein.

Ralf mit Melone_begluno

Schweden_Berg_Ralf

Gibt es auch positive Aspekte?

Ja, ganz generell die Verwandlung der Ernährungseinstellung. Man macht sich mehr Gedanken, was gut für einen ist und was nicht. Der Körper beginnt sich wieder zu heilen. Ich bin viel glücklicher… viel zufriedener und endlich sehe ich beim Sport eine richtige körperliche Veränderung. Ich bin viel leistungsfähiger. Es ist die Befreiung des Darms, die den Körper reaktiviert.

Du sagst dir ging es viele Jahre sehr schlecht. Wie hat sich das dargestellt?

„…ich solle vielleicht meine Ernährung umstellen… sowas überhört man natürlich einfach.“

Schlechte Laune… regelmäßige Kopfschmerzen … verminderte Leistungsfähigkeit…kein Hungergefühl…Ich bin schnell an meine Leistungsgrenzen gekommen. Obwohl ich wusste, dass das noch nicht alles sein kann. Mein Bauch war immer aufgebläht. Dem ging es nur am Morgen gut und als ich laufen war. Ich hatte immer das Gefühl, als würde ich einen großen Stein oder Knoten im unteren Bauch vor mir herschieben.
Mir wurde gesagt, dass ich Augenringe, schuppig-trockene Haut und starken Haarausfall hatte. Meine Friseurin meinte damals, ich solle vielleicht meine Ernährung umstellen… sowas überhört man natürlich einfach. Was soll die Ernährung schon damit zu tun haben?
Meine Verdauung war damals für mich normal… jetzt weiß ich es besser. Sie war katastrophal und ich bin sehr häufig krank geworden. Ich war viel anfälliger als jetzt.

Wann haben deiner Meinung nach rückblickend die körperlichen Reaktionen auf Gluten angefangen?

Meine Mutter meinte, wahrscheinlich hatte ich es schon immer. So richtig kann man das aber auch nicht auseinander halten. Meine Daumennägel hatten angefangen sich zu spalten, was wie wir jetzt wissen, eine Mangelerscheinung ist, weil sie seit der Ernährungsumstellung wieder anfangen zusammen zu wachsen.  Da war ich 10 Jahre alt.
Ziemlich sicher dann mit 18… als ich ausgezogen bin… man ernährt sich ja nur von Nudeln und Brot.
Mein Körpergefühl wurde ab hier immer schlechter.

Schweden_Ralf_See

Was ist mit deinem Körper passiert, nachdem du auf Gluten verzichtet hast und wie schnell begann die Veränderung?

Die Veränderung kam sehr schnell. Trotz anfänglicher Fehler, ging es ab dem zweiten oder dritten Tag los.
Mein Schlaf wurde plötzlich viel besser. Keine Kopfschmerzen mehr und mir ging es nach dem Essen auf einmal nicht mehr schlecht. Ich hatte ein plötzliches Hochgefühl… und meine Leistungsgrenzen haben sich nach oben verschoben. Jetzt kann ich ganz andere Dinge stemmen. Ich habe abgenommen und mein Muskelaufbau funktioniert wieder gut.
Ich hatte zum ersten Mal seit der Pubertät wieder Elan. Mit 28 frei!

Fällt es dir manchmal noch schwer darauf zu verzichten, trotz so vieler positiver Veränderungen?

Es ist nur schwierig, wenn man irgendwo Essen gehen möchte… oder man unvorbereitet bei einem Termin oder einer Dienstreise ist. Wenn es nur Eis gibt, dann isst man nur Eis, aber mit einem schlechten Gewissen, weil ich weiß wie wichtig die Ernährung ist. Ich bedaure aber nichts mehr. Die Sachen die mir anfänglich gefehlt haben, fehlen mir jetzt nicht mehr. Wenn ich jetzt eine glutenfreie Tiefkühlpizza esse, ist es eben etwas Besonderes und eigentlich kann man fast alles selbst machen.
Die Dinge brauchen nur Zeit und etwas Übung.

Was ist dein Lieblingsessen seit der Umstellung?

Deine Indische Linsensuppe!

Scharfe Rote Linsensuppe

Wie sollte sich ein Partner verhalten der Gluten eigentlich verträgt? Meinst du es würde funktionieren, wenn der Partner weiterhin Gluten isst?

Klar.. es würde schon funktionieren, aber für einen Betroffenen ist es schon schwieriger. Weil man aufpassen muss, dass nichts vermischt wird. Man muss schon genau darauf achten, was man nehmen darf an Zutaten und Plätzen in der Küche. Dort wo glutenhaltiges Brot geschnitten wird, würde ich mein Brot nicht schneiden. Es ist viel einfacher gemeinsam auf Gluten zu verzichten. Schon ein Krümel reicht bei mir, dass ich Probleme bekommen. Der harte Bauch kurz danach, ist das erste Anzeichen und für jeden sichtbar *lacht*.
Man benötigt Akzeptanz von anderen. Deswegen akzeptiere ich jeder Ausrichtung. Aber es ist einfacher den Haushalt glutenfrei zu halten, wenn man gemeinsam beschließt viele Sachen selbst zu machen.

Was machst du wenn du eingeladen wirst?

Mein Essen selbst mitbringen oder mitkochen um zu sehen, dass das Essen nicht kontaminiert ist. Oder ich esse nichts und kann mich über einen schönen Wein und tolle Gespräche freuen.

Wie gehst du damit um, dass du keine Diagnose hast?

Für mich ist das total egal, weil ich die Verbesserung spüre. Ich sehe was Gluten mit mir gemacht hat. Es sind immer die Anderen die fragen: Warst du beim Arzt? Fehlt dir nicht jetzt erst recht etwas?
Es wäre einfacher mit einer Diagnose. Aber dafür müsste ich wieder Gluten essen. Das kann ich nicht. Ich will nie wieder in diesen körperlichen Zustand zurück. Ich bin Glutensensitiv. Wenige können es verstehen und wollen einen Beweis haben. Eigentlich brauche ich ihn nur für andere! Ich sehe den Beweis jeden Tag.

Was würdest du jedem raten der sich plötzlich glutenfrei ernähren muss? Was würdest du ihm sagen, wenn er genau jetzt vor dir stehen würde?

„Du wirst Stück für Stück deinen Körper zurück gewinnen!“

Der Anfang braucht einen langen Atem, aber der Weg lohnt sich. Du solltest dich allerspätestens jetzt mit dem Thema Ernährung auseinander setzen.
Zu Beginn solltest du dich nur von frischen Lebensmitteln ernähren… Obst, Gemüse… und nicht gleich alles probieren. Langsam rantasten und nicht zu sehr auf Fertigprodukte gehen. Du solltest dir eine Basis von Gerichten anlegen und dann nach und nach die Palette an Gerichten erweitern.
Fehler werden motivieren! Und ansonsten immer auf Nummer sicher gehen bei der Auswahl der Lebensmittel.
Du wirst Stück für Stück deinen Körper zurückgewinnen!

Schweden steine ralf

Also ist jetzt alles besser?

Anders…!!! Ich vergleiche nicht gerne Vergangenheit mit Gegenwart. Aber so gut wie ich mich jetzt fühle, so gut habe ich mich wahrscheinlich noch nie gefühlt.
Man darf es auch nicht pauschalisieren! Man muss hinschauen und sich fragen: Wie ist jetzt der Zustand?
Bei mir sieht er fantastisch aus!

Ich hoffe dir hat das Interview mit Ralf gefallen und es hilft dir auf deinem Weg!

Deine Nora

PS: Was sind oder waren deine Symptome? Wie hast du dich bei deiner Umstellung gefühlt? Ich würde mich über ein Kommentar von dir freuen!

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2 Kommentare

  1. Hallo Nora,

    ich habe gerade dein Interview gelesen. Das hat mich an viele Dinge erinnert, wie bei mir die Umstellung war. Ich hatte fast die gleichen Symptome (Kopfschmerzen, aufgeblähter Bauch, geringe Leistungsfähigkeit, Müdigkeit, schlechte Laune und oft Herzrasen). Mir geht es nach der Umstellung auch wesentlich besser. Ein Jahr habe ich ohne Gluten gegessen und dann konnte ich ab und an mal wieder etwas mit Gluten essen. Auch bei mir ist das Bewusstsein für gutes Essen erst nach der Diagnose überhaupt entstanden. Früher wusste ich nicht einmal, dass es super gesunde glutenfreie Getreidesorten gibt oder z.B. Quinoacornflakes. Auch ich lebe jetzt viel gesünder.

    • Liebe Susanne, danke für deinen Kommentar! Ja, es ist wirklich unglaublich, wie viel an guter Ernährung geknüpft ist. Manchmal sind es nur kleine Veränderungen an den eigenen Gewohnheiten, die alles ändern können. Schön, dass es dir wieder besser geht! Ich finde es jetzt großartig neue Dinge zu entdecken, obwohl ich auch sehr gerne alte Rezepte umschreibe um sie verträglich zu machen. Liebe Grüße Nora

Schreibe hier deinen netten und hilfreichen Kommentar! +++ Ich freue mich!

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